Lektion 12 von 13 · 3 Min.
Polizeiärztliche Untersuchung: Ablauf und häufige Ausschlussgründe
Was die polizeiärztliche Untersuchung im Auswahlverfahren prüft und welche Unterlagen du brauchst. Mit belegten Unterschieden zwischen den Ländern und typischen Ausschlussgründen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die polizeiärztliche Untersuchung prüft, ob du polizeidiensttauglich bist.
- Vollständige und ehrliche Angaben zu Vorerkrankungen schützen dich vor späteren Problemen im Verfahren.
- Die Untersuchungen und die Reihenfolge im Verfahren unterscheiden sich je nach Land und Bundespolizei.
- Ausschlussgründe stehen in den Regeln des jeweiligen Dienstherrn und sind nicht überall gleich.
- Unterlagen wie Befunde und ausgefüllte Bögen beschaffst du am besten, bevor der Termin feststeht.
In dieser Lektion8 Abschnitte
Was prüft die polizeiärztliche Untersuchung?
Die polizeiärztliche Untersuchung klärt, ob du den körperlichen und gesundheitlichen Anforderungen des Polizeidienstes gewachsen bist. Sie ist ein eigener Teil des Auswahlverfahrens. Das Ergebnis ist die Grundlage für die Polizeidiensttauglichkeit.
Welche Untersuchungen konkret stattfinden, hängt vom Land ab. Typisch sind die folgenden Bausteine.
Die Untersuchung ist eine Eignungsprüfung für den Polizeidienst, keine Behandlung. Es geht um die Frage, ob du den Dienst dauerhaft ausüben kannst. Unklare Befunde können deshalb nachgefordert oder durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
- Sehen und Hören: Seh- und Hörtest.
- Herz und Kreislauf: Belastungs-EKG.
- Atmung: Lungenfunktionstest.
- Körper: Größe, Gewicht, Haltung und Bewegungsapparat.
- Labor: Blut- und Urinprobe, bei manchen Stellen mit Drogenscreening.
In Niedersachsen umfasst die Untersuchung beim Medizinischen Dienst laut belegter Angabe unter anderem Belastungs-EKG, Labor, Blut-Drogentest und Zahnstatus. In Sachsen gehört ein Arztgespräch dazu, belegt sind dort außerdem Hör-, Seh- und Lungenfunktionstest.
Im mittleren Dienst in Bayern ist eine Urinprobe auf Rauschmittel Teil der Untersuchung. Ein Cannabis-Nachweis beendet das Verfahren, das ist belegt.
Wo die Untersuchung im Ablauf steht
Die Untersuchung steht meist am Ende der Tests, aber nicht überall ganz hinten. Die belegten Abfolgen zeigen die Unterschiede.
- Bundespolizei, gehobener Dienst: Vierter und letzter Schritt nach Intelligenztest, Sporttest und Assessment-Center. Das ärztliche Gutachten ist Voraussetzung.
- Berlin: Untersuchung vor dem Bewerbungsgespräch mit Rollenspiel.
- Hessen: Untersuchung am zweiten Tag, nach dem Einzelinterview.
- Rheinland-Pfalz: Untersuchung am zweiten Tag, vor dem strukturierten Interview.
- Nordrhein-Westfalen: Untersuchung nach dem Assessment-Center, vor der Nachauswahl.
- Hamburg, gehobener Dienst: Untersuchung zur gesundheitlichen Tauglichkeit am dritten Prüfungstag.
Welche Unterlagen brauchst du?
Welche Unterlagen gelten, steht in der Einladung. Viele Verfahren verlangen einen ausgefüllten Gesundheitsbogen und ärztliche Befunde. Bewerbende berichten, dass Befunde zu Sehen, Allergien und laufenden Behandlungen hilfreich sind.
- Die Einladung und alle Hinweise zur Untersuchung vollständig lesen.
- Den Gesundheitsbogen in Ruhe ausfüllen und keine Frage auslassen.
- Befunde von Haus-, Augen- oder Zahnarzt rechtzeitig anfordern.
- Bei Minderjährigen klären, ob eine Einwilligung der Eltern nötig ist.
Übung: Schreib eine Liste deiner Vorerkrankungen, Behandlungen und Medikamente, mit Datum und behandelndem Arzt. Vergleiche sie mit dem Gesundheitsbogen. Fehlt etwas, klärst du es vor dem Termin.
Ausschlussgründe und Tattoos
Ausschlussgründe sind je nach Dienstherr verschieden. Die belegten Listen zeigen aber wiederkehrende Bereiche.
- Bundespolizei: unter anderem Asthma, Dauermedikation, chronische Haut-, Darm- und Stoffwechselerkrankungen sowie psychische Erkrankungen auch in den Vorjahren.
- Berlin: unter anderem Asthma, Bandscheibenvorfall, psychische Störungen, chronische Darmerkrankungen, Bluthochdruck, Epilepsie und Migräne.
Entscheidend sind Art, Schwere, Behandlung und Verlauf einer Erkrankung. Eine gut behandelte und stabile Erkrankung wird anders beurteilt als eine akute. Deshalb zählt jede genaue Angabe mehr als eine Vermutung, ob etwas relevant sein könnte.
Zwei Werte werden oft genau geprüft: Sehen und Körpergewicht. Viele Länder prüfen das Sehen ohne Sehhilfe, und die Grenzen sind verschieden. Beim Gewicht nutzen viele Länder den Body-Mass-Index. Belegt ist ein Bereich von 18 bis 27,5, etwa beim Bund, in Niedersachsen und in Sachsen. In Bayern ist bei einer bekannten Sehschwäche eine Vorabbewertung möglich.
Auch Tätowierungen sind geregelt. In Nordrhein-Westfalen ist eine Einzelprüfung bei der Untersuchung vorgesehen. In Bayern sind Kopf, Hals und Hände grundsätzlich nicht erlaubt.
Wie der Untersuchungstag abläuft
Die einzelnen Stationen folgen meist nacheinander, Wartezeiten zwischen ihnen sind üblich. Der Tag ist also weniger eine einzelne Prüfung als eine Abfolge kurzer Untersuchungen. Wer ausgeruht und ausreichend informiert erscheint, übersteht ihn meist deutlich entspannter.
- Die Hinweise zur Anreise, zur Kleidung und zum Essen vorab lesen.
- Den Gesundheitsbogen und die Befunde griffbereit in einer Mappe haben.
- Bei Fragen zur Gesundheit ehrlich und genau antworten, auch bei Kleinigkeiten.
- Medikamente, die du regelmäßig nimmst, vorher mit der Stelle klären, sofern dies verlangt wird.
Typische Fehler am Tag: Der Gesundheitsbogen bleibt lückenhaft, Befunde fehlen, oder eine Vorerkrankung wird weggelassen. Auch Medikamente setzt du nicht eigenmächtig vor dem Termin ab. Kläre das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Vollständig und ehrlich zu sein ist die einfachste Vorbereitung auf diesen Tag.
Wie es nach der Untersuchung weitergeht
Wer die Untersuchung besteht, bekommt je nach Verfahren eine Zusage oder wird in eine Rangliste aufgenommen. In Nordrhein-Westfalen entscheidet die Rangfolge über die Einstellung. In Bremen führt die Rangliste zur Studienplatzvergabe.
Die Untersuchung ist Teil der Auswahl, nicht ihr Abschluss mit Garantie.
Weitere Videos zu diesem Thema
Die Videos sind unterschiedlich alt. Wo eines vom heutigen Stand abweicht, gilt der Lehrtext oben.
Untersuchung in Sachsen
Erklärt die Untersuchung als Teil des Gesamtergebnisses, mit Unterlagen und einem Gespräch mit einem Polizeiarzt.
Lernfragen: prüf dich selbst
3 Aufgaben zu dieser Lektion. Kreuz an, dann siehst du den Lösungsweg.
Lernfragen zu Lektion 12
Ein Bewerber hat eine Vorerkrankung, die länger zurückliegt. Was ist im Verfahren die richtige Haltung?
Fragen zu dieser Lektion
Führt eine Vorerkrankung bei der Polizei automatisch zum Ausschluss?
Nicht in jedem Fall. Manche Stellen prüfen jede Vorerkrankung im Einzelfall, andere arbeiten mit festen Listen von Ausschlussgründen. Wichtig ist, dass alle Angaben vollständig und richtig sind.
Was muss man zur polizeiärztlichen Untersuchung mitbringen?
Das steht in der Einladung und in den Hinweisen der Stelle. Häufig verlangt werden ein ausgefüllter Gesundheitsbogen und ärztliche Befunde. Bei Minderjährigen kann zusätzlich eine Einwilligung nötig sein.
Kann man sich auf die polizeiärztliche Untersuchung vorbereiten?
Ja, vor allem durch vollständige Befunde zu Sehen, Hören und Vorerkrankungen. Die Untersuchung selbst lässt sich nicht trainieren, deshalb sind ehrliche Angaben der wichtigste Punkt.
Wie lange dauert die polizeiärztliche Untersuchung?
Die Dauer hängt vom Land und vom Umfang der Untersuchung ab. Bewerbende berichten von langen Terminen mit mehreren Stationen, deshalb ist ein ganzer Tag realistisch einzuplanen.
Hak ab, wenn du fertig bist. Ganz ohne Konto.